Kategorie: Allgemein

Wir haben Samer ein paar Fragen gestellt, die er auf Deutsch beantwortet hat. Noch mussten wir einiges an seinen Sätzen verbessern, aber die Fortschritte, die er in der Sprache seiner neuen Heimat gemacht hat, sind beachtlich.

Was gefällt dir an Österreich?

Österreich ist ein sehr schönes Land. Wien wurde acht Mal als lebenswerteste Stadt gewählt. Die Menschen hier sind nett und freundlich und helfen gerne so gut als möglich.

Welche großen Unterschiede gibt es zwischen der syrischen und der österreichischen Kultur?

Ich habe gemerkt, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen hier und Syrien.

Wie die Kinder ihre Eltern verlassen und ihren Weg alleine wählen, wenn sie über 18 Jahre werden. Bei uns ist das anders. Die Kinder bleiben mit ihren Eltern zusammen bis sie heiraten und bleiben auch danach eine Familie und wohnen zusammen. Und die Eltern helfen ihren Kindern, wenn sie heiraten oder studieren möchten.

Das mit Mann und Frau ist in Syrien anders. Wenn ein Mann eine Frau sieht, die ihm gefällt, dann spricht er mit seiner Familie darüber. Wenn die Familie einverstanden ist, geht die Familie des jungen Mannes zur Familie der Frau und fragt die Familie der Frau, ob Interesse an einer Verbindung besteht. Wenn ja, kommt die Familie der Frau in das Dorf des Mannes und fragt alle Menschen im Dorf über den jungen Mann und seine Familie.

Eine Hochzeit in Syrien ist sehr teuer. Wenn ein Mann heiraten möchte, muss er der Frau viel Schmuck kaufen – Ringe, Ohrringe, Ketten, Armbanduhr. Für junge Menschen ist das ein Problem.

In Syrien weiß ich alles über meine Nachbarn. Wir helfen unseren Nachbarn. Wenn man zwei Tage nichts hört von den Nachbarn, schaut man, ob etwas passiert ist. Hier fragt niemand, auch wenn jemand hundert Tage nicht gesehen wird.

Hier in Österreich ist die Polizei sehr nett. In Österreich kann man einfach die Polizei fragen, wenn man Hilfe braucht. Wenn dich in Syrien die Polizei anruft, dann wirst du den ganzen Tag Angst haben.

In Österreich sind die Verkehrsregeln sehr streng. In Syrien haben wir auch Regeln, aber alle fahren, wie sie wollen. Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung in Syrien. Es passieren trotzdem wenig Unfälle. Wir haben aber keine Versicherung für das Auto.

Überhaupt haben nur Menschen, die für die Regierung arbeiten, eine Krankenversicherung. Alle anderen müssen zahlen, wenn sie zum Arzt oder in ein Krankenhaus gehen.

Welche Ähnlichkeiten gibt es zwischen der syrischen und der österreichischen Kultur?

Es ist schön, wie die Leute gerne helfen, wenn sie können. Das ist bei uns auch so ähnlich.

Die kranken Leute können nicht arbeiten gehen, deshalb sollen wir ihnen helfen – und das sagt auch unsere Religion.

Was findest du besonders schwierig an der deutschen Sprache?

Ich finde, die Schwierigkeiten an der deutschen Sprache sind die Grammatik und der Satzbau.

Es ist nicht so einfach, den richtigen Artikel für ein Wort zu wissen, und der Artikel spielt eine große Rolle, um richtig und schön zu sprechen.

Was braucht man, um die deutsche Sprache wirklich gut zu erlernen?

Meine Meinung ist: Man muss viel schreiben und üben, damit man die Sprache gut kann.

Und natürlich mit den Leuten immer reden. Deutsche Filme anschauen ist auch sehr hilfreich.

 

scholarship4you:

Samer besucht den ersten Teil des B1-Kurses seit Anfang April noch einmal. Wir haben beginnend mit dem A1-Level (A1, A2, A2+, B1 und jetzt noch einmal B1) alle Kurse und Öffi-Tickets über unseren Verein finanziert.

Das B1-Level ist sehr schwierig. Es geht dabei sehr viel um Grammatik und der Wortschatz soll sich relativ rasch vergrößern.

Für alle, die Deutsch lernen, ist es ungemein wichtig, möglichst viel Deutsch zu sprechen und zu üben.Wir versuchen daher die Menschen, denen wir die Kursbesuche finanzieren, auch dabei zu unterstützen etwa durch gemeinsame Aktivitäten oder dadurch, dass wir Menschen vermitteln, die mit ihnen in ihrer Freizeit Sprechen üben und die Kursinhalte wiederholen.

Konjugieren, Deklinieren, infiniter und finiter Artikel, Nominativ, Dativ, Akkusativ, Präpositionen – na, alles noch im Kopf?

Samer und die beiden Brüder Yusef und Shvan halten stolz ihre Teilnahmebestätigungen für den A2-Kurs in ihren Händen. Ein wirklich fordernes Lern-Level. Hier geht es grammatkalisch richtig zur Sache!

Was uns Österreicherinnen und Österreichern selbstverständlich ist, müssen die zu uns Geflüchteten mühsam erlernen: Welche Verben verlangen den Dativ, welche den Akkusativ, welche brauchen gar ein Dativ- und ein Akkusativobjekt? Welche Präpositionen brauchen welchen Fall? Und Vieles mehr. Wir erlernen diese Dinge durch das muttersprachliche Aufwachsen relativ automatisch. Wenn etwas falsch ist, klingt es komisch in unseren Ohren. Für die Asylwerber ist es hartes Lernen: Listen mit Verben und Präpositionen müssen im Kopf behalten werden. Wer einen grammatikalisch richtigen Satz sprechen will, muss in seinem Kopf eine ganze Menge an Möglichkeiten “abklopfen”: Was ist das Subjekt im Satz, was das Objekt? Welchen Fall verlangt das Verb? Welchen Fall verlangt die Präposition? Ist das Subjekt männlich, weiblich oder sächlich, Singular oder Plural? Wie ist daher die korrekte Endung des Subjekts und des dazugehörigen Adjektivs? All das muss in Sekundenschnelle ablaufen, wenn ein richtiger Satz gesprochen werden soll.

Naturgemäß ist es für alle sehr schwierig und braucht sehr viel Zeit und Übung, um das korrekt und auch schnell zu beherrschen. Manchen fällt es leichter, eine Sprache zu erlernen und manchen nicht so leicht. Manche haben schon in ihrer Heimat das Lernen gelernt, manche müssen erst herausfinden: Wie lerne ich am besten? Auch die Basisbildung, die die jungen Leute von zuhause mitbringen, ist natürlich sehr unterschiedlich. Samer und Shvan werden Anfang Februar mit dem B1-Kurs beginnen. Yusef wird noch einmal den zweiten Teil des A2-Kurses wiederholen, damit sich alle Lerninhalte in Ruhe festigen können. Alle drei lernen zusätzlich zum Kurs noch mit privaten Lehrerinnen, denn jede Stunde, in der sie jemanden zum Deutschsprechen haben, ist kostbar für sie.

Wir sehr stolz auf alle drei: Sie haben die Kurse gewissenhaft besucht, ihr Bestes gegeben und man kann sich schon recht gut mit ihnen in ihrer neuen Sprache unterhalten!

Wir hoffen, dass die Kursgebühren und die Monatstickets für die öffentlichen Verkehrsmittel für die Fortsetzungskurse wieder mittels Spenden finanziert werden können.
Das Spendenkonto von scholarship4you:
IBAN: AT16 3261 4000 0003 3779
BIC: RLNWATWWODO

Herzlichen Dank allen Unterstützerinnen und Unterstützern!

Weihnachtsfeiern, Punschparties und Silvesterparties stehen an! Zeit für ein paar neue Teile im Kleiderschrank!

Wir gehen in die nächste Runde: Am Sonntag, 27. November, von 10.00 bis 19.00 Uhr, könnt ihr in der Fasangasse 25/2. Stock, 1030 Wien, wieder eure Garderobe aufpeppen und dabei Gutes tun!

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So funktioniert TopSwap:
Du durchstöberst deinen Kleiderschrank. Was dir nicht mehr passt oder gefällt, aber noch sehr gut erhalten ist, bringst du mit zur Tauschparty. Mindestens fünf Stück Kleidung, Accessoires oder Schuhe (keine Unterwäsche, keine einfachen T-Shirts) solltetest du dabei haben. Am Check-In zahlst du für jedes Stück einen Euro und bekommst für jedes mitgebrachte Tauschobjekt einen Punkt. Dann hast du Zeit, in aller Ruhe bei Sekt, Kaffee, Brötchen und Kuchen in den mitgebrachten Kleidungsstücken der anderen zu stöbern. Probiere nach Herzenslust! Nimm deine Freundin mit und mach dir ein paar schöne Stunden. Wenn du soviele Sachen gefunden hast, wie du Punkte am Eingang bekommen hast, checkst du aus und gehst – hoffentlich glücklich – nach Hause! Dein Outfit ist aufgepeppt, du hattest ein paar nette Stunden und hast dazu beigetragen, dass ein paar unserer Schützlinge noch besser Deutsch lernen können.

Der Erlös kommt zu hundert Prozent scholarship4you zugute und ermöglicht es uns, Kursgebühren, Tickets und Bücher zu bezahlen.

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Anmeldung erbeten, aber auch spontane BesucherInnen sind herzlich willkommen!

Mehr Informationen zu TopSwap und Anmeldung hier: http://www.topswap.at/

Du kannst über Facebook deine FreundInnen zu unserer Kleidertausch Party einladen:
http://www.facebook.com/events/184005805393122/

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Manu, ibsc – Institut für Beratung, Schulung und Coaching, für die Überlassung der Räumlichkeiten!

anzorWie heißt du und wie alt bist du?

Mein Name ist Anzor, ich bin 26 Jahre alt.

Woher kommst du?

Meine Heimat ist Syrien. Ich komme von den Golanhöhen, aus der kleinen Stadt Quneitra.

Meine Familie hat dort ein Haus, eine kleine Farm mit Apfelbäumen und Olivenbäumen. Die Stadt ist sehr schön. Im Zentrum ist alles, was man braucht. Ich habe sehr gerne dort gelebt.

Ich bin nach der Schule nach Damaskus gegangen, um dort Englisch zu studieren.

Wir sind Tscherkessen. Unsere Familie ist seit Generationen auf der Flucht. Sie musste Russland nach dem Kaukasuskrieg 1864 verlassen und ist nach Syrien auf den Golan gegangen. Als 1967 der Krieg zwischen Israel und Syrien stattgefunden hat, ist unsere Familie zuerst von einer Seite der Golanhöhen auf die andere und danach nach Damaskus geflüchtet. Sie sind dann aber wieder auf den Golan zurück. Jetzt bereitet die Familie gerade eine Übersiedelung nach Damaskus vor, weil die Situation dort ein bisschen besser ist als zu Hause.

Warum bist du nach Österreich gekommen?

Auf dem Golan waren auch österreichische Blauhelme stationiert. Sie kamen oft in unsere Stadt, um dort einzukaufen. Als ich ein Kind war, hatte ich zwei Freunde unter den Blauhelmen, das waren Österreicher und sie haben mir oft Bilder von Österreich gezeigt, die waren sehr schön – die Alpen, grüne Landschaften. Als ich dann weggehen musste, hatte ich wieder diese Bilder im Kopf und wollte nach Österreich. Mein bester Freund war außerdem auch schon drei Jahre hier.
Es würde mich sehr freuen, wenn ich die beiden Soldaten irgendwie wieder finden könnte!

Weggegangen bin ich wegen des Krieges. Ich wollte nicht kämpfen. Mit 18 Jahren muss man zur Armee. Du hast aber noch weitere vier Jahre Zeit, wenn du darum ansuchst und Student bist. Aber nach diesen vier Jahren musst du in die Armee – außer du zahlst sehr viel Geld oder du bis krank. Da habe ich mich dazu entschieden, meine Heimat zu verlassen.

Wo lebt deine Familie?

Meine Mutter und meine Schwester sind noch zu Hause. Unser Vater ist schon lange gestorben. Mein jüngerer Bruder Zewar lebt hier mit mir in Wien.

Was hast du in deiner Heimat gemacht?

Eigentlich wollte ich Agrarwissenschaften studieren. Aber die Aufnahmerichtlinien waren sehr streng. Da ich Sprachen auch sehr liebe,  habe ich dann drei Jahre lang Englisch studiert. In den Ferien und in der Freizeit habe ich handwerklich gearbeitet: beim Hausbau mitgeholfen, gegärtnert, ausgemalt.

Welche Sprachen sprichst du?

Meine Muttersprache ist Tscherkessisch. Ich spreche natürlich Arabisch, sehr gut Russisch und Englisch und ein bisschen Türkisch.

Welche Hobbies hast du?

Ich mag Fahrradfahren, Schwimmen und spiele auch ein wenig Fußball.

Welche Pläne hast du für deine Zukunft in Österreich?

Als Allererstes Deutsch lernen! Dann möchte ich arbeiten, vielleicht im Gartenbereich. Ich möchte einfach in einem Beruf gut werden, um arbeiten zu können und eine Familie zu gründen. Und wenn ich irgendwie kann, möchte ich meine Familie von zu Hause nachholen.

Was wünschst du dir von den Österreichern?

Ich wünsche mir von den österreichischen Menschen, dass sie mich so behandeln, wie sie österreichische Menschen auch behandeln. Dass sie mir eine Chance geben, in mir als erstes einfach einen Menschen sehen, nicht einen Mann aus Syrien.

Möchtest du sonst noch etwas sagen?

Ich möchte einfach nur sagen: Bitte gebt einem jungen Mann die Chance auf ein Leben hier in Österreich!

 

scholarship4you:
Wir konnten für Anzor einen A1-Kurs buchen und so konnte er im November endlich anfangen, die Sprache seines neuen Landes zu erlernen. Danke allen Spendern!

zewarWie heißt du und wie alt bist du?

Ich heiße Zewar, ich bin 23 Jahre alt.

Woher kommst du?

Ich komme aus Syrien, von den Golanhöhen. Dort haben wir in der Stadt Quneitra gelebt.

Warum bist du nach Österreich gekommen?

Ich habe mein Land wegen des Krieges verlassen. Alle Männer über 18 Jahren müssen mit der syrischen Armee kämpfen. Ich möchte nicht in einem Krieg kämpfen.

Wir haben hier einen Freund in Österreich. Dieser sagte, Österreich sei ein schönes Land, ein bisschen wie zu Hause, es gibt auch Berge. Und die Menschen sind nett.

Wo lebt deine Familie?

Wir haben keine große Familie: Meine Mutter und meine Schwester leben noch auf den Golanhöhen. Ebenso zwei Onkel und eine Tante. Alle jungen Männer sind gegangen. Mit spätestens 22, 23 Jahren müssen sie zur Armee. Du hast keine Wahl, du musst zur Armee oder im Haus bleiben und nicht raus gehen oder flüchten.

Mein Bruder Anzor und ich sind gemeinsam aus Syrien geflüchtet jetzt leben wir beide in Wien.

 Was hast du in deiner Heimat gemacht?

Wir hatten ein gutes Leben, gute Freude, haben Fußball gespielt, sind ausgegangen. Aber alle meine Freunde haben unser Land verlassen. Und auch ich hatte keine Chance auf ein Leben in meiner Heimat.

Ich habe die Schule abgeschlossen und dann Englische Literatur an der Universität zu studieren begonnen. Aber ich konnte mein Studium nicht abschließen, weil der Krieg begonnen hatte und weil ich auch zur Armee müssen hätte.

Als ich mit der Universität begann, hat auch der Krieg begonnen. Ich habe vier Jahre studiert, aber ich konnte dann nicht mehr zu den Prüfungen gehen, es war zu gefährlich. Ich erinnere mich an einen Tag, als mein Freund und ich zur Universität gingen. Wir waren allein auf der Straße. Vor der Universität standen viele Soldaten, sie starrten uns an, als wir näher kamen. Die ganze Zeit. Niemand sonst war auf der Straße. Wir bekamen Angst und haben umgedreht. Von da an ging ich nie mehr hin.

Welche Sprachen sprichst du?

Ich spreche Tscherkessisch, das ist meine Muttersprache, Arabisch und sehr gut Englisch.

Welche Hobbies hast du?

Ich schwimme gerne, spiele Volleyball und Fußball.  Und ich mag Joggen!

Welche Pläne hast du für deine Zukunft in Österreich?

Ich weiß nicht genau: Ich möchte entweder mein Studium der Englischen Literatur fertig machen oder Dolmetscher werden.

Was wünschst du dir von den Österreichern?

Ein Leben in Frieden. Ich wünsche mir, dass die Österreicher uns vertrauen, dass wir hier ein sicheres, friedvolles Leben mit netten Menschen führen dürfen.

Möchtest du sonst noch etwas sagen?

Ich wünsche mir so sehr, dass ich hierbleiben kann!

Ich bin schon seit neun Monaten hier. Ich habe schon mit einem neuen Leben begonnen. Wenn sie mich jetzt zurückschicken nach Kroatien, dann ist das nicht in Ordnung. Wenn sie mich irgendwo anders hinschicken wollen, dann hätten sie das gleich machen sollen, nicht erst nach neun Monaten.

Ich hoffe, die Regierung wird unsere Stimmen hören und uns hier bleiben lassen. Dann wäre ich sehr, sehr glücklich!

 

scholarship4you:
Wir konnten für Zewar einen A1-Kurs buchen. Anfang November kann er mit dem Deutschlernen beginnen und freut sich schon sehr darauf. Danke allen, die mit ihren Spenden dazu beigetragen haben!

Österreich will die Menschen, die bis März 2016 über Kroatien nach Österreich gekommen sind, nach Kroatien abschieben.
Es wird ihnen verweigert, in Österreich um Asyl ansuchen zu können.
Laut Dublin III-Verordnung kann Österreich so vorgehen.
Österreich kann den Menschen aber auch das Recht geben, hier um Asyl anzusuchen.

Organisierte Balkanroute

Im Dezember, Jänner und Februar wurde die Balkanfluchtroute von allen Staaten gemeinsam “organisiert”: Den Menschen sollten Fingerabdrücke abgenommen werden, sie sollten in den einzelnen Staaten registriert werden, damit Österreich und Deutschland wissen, wieviele Menschen hierher unterweg sind und wer sie sind. Den Flüchtlinge wurde gesagt: Gebt eure Fingerabdrücke, sagt uns, wer ihr seid, dann dürft ihr in das Land eurer Wahl weiterreisen. Das habe keinerlei rechtliche Konsequenzen.

Nun sieht die Praxis ganz anders aus: Die österreichischen Behörden haben Dublin-Anfragen nach Kroatien geschickt. Gemäß der Dublin-Verordnung soll ein Flüchtling im ersten EU-Land, das er betritt, auch sein Asylverfahren haben. Dadurch soll die illegale Durchreise und vor allem das Stellen von Asylanträgen in mehreren Ländern gleichzeitig verhindert werden.

Schweigen als Zustimmung interpretiert

Kroatien hat auf die Anfragen aus Österreich einfach nicht reagiert. Von den österreichischen Behörden wurde das als Einwilligung in die Übernahme der Asylverfahren gewertet. Offensichtlich wird die Untätigkeit der kroatischen Behörden dazu ausgenutzt, jetzt schnell möglichst viele Asylwerber „loszuwerden“.

Seit einigen Wochen schiebt Österreich nun bereits gut integrierte, deutsch sprechende Flüchtlinge auf oft grausame Weise – Familien werden getrennt, Menschen aus Krankenhäusern und Schulen mit der Polizei abgeholt und in Schubhaft genomen – nach Kroatien ab. Dort warten überfüllte Lager und schlechte Versorgung. Und eine rechtliche Unsicherheit. Denn Kroatien hat seine Zustimmung nicht gegeben. Wiederum beginnt ein zermürbendes Warten unter sehr schlechten Bedingungen.

Unmenschlich und grausam

Wir finden diese Politik nicht menschenwürdig: Flüchtlinge, die schon Deutschkurse absolviert haben, Freunde und Jobzusagen in Österreich haben, eingebunden sind in Vereine, Gemeinden und Familien, deren Familienmitglieder schon Asyl in Österreich haben, die Vorbilder an Integration sind, sollen aus ihrem neuen Leben gerissen werden. Nach 10 Monaten Wartezeit, in der sie alles getan haben, was die Politik fordert – Deutsch lernen, sich integrieren, mithelfen -, werden sie mit Abschiebung bestraft. Das, was man ihnen auf der Flucht zugesagt hat (Fingerabdrücke haben keinerlei Konsequenzen), hat plötzlich keine Gültigkeit mehr.

Betroffenheit

Wir als Helfer sind darüber bestürzt und persönlich zutiefst betroffen. Wir haben einige dieser Menschen in unsere Familien aufgenommen, stehen ihnen seit Februar täglich bei, haben Geld, Zeit, Mitgefühl und Liebe für sie gegeben. Jetzt sollen sie aus unserem Leben gerissen werden. Auch Schützlinge, die unser Verein scholarship4you betreut, sind davon betroffen.

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Wir fordern den sofortigen Stopp aller Dublin-Abschiebungen nach Kroatien für alle Asylwerber, die bis zum Zeitpunkt der offiziellen Schließung der Balkanroute im März 2016 in Österreich eingereist sind. Diese Abschiebungen widersprechen nach unserer Ansicht dem Sinn der Dublin-Verordnung und sind moralisch und menschlich untragbar. Das Asylverfahren dieser Menschen soll in Österreich weitergeführt und abgeschlossen werden.

Mit Hilfe von einigen unserer Schützlinge haben wir unsere erste Charity-Veranstaltung gemeistert: eine TopSwap-Kleidertauschparty.

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Dabei tauscht man Kleidungsstücke aus dem eigenen Fundus gegen “neue” Sachen anderer. Für die Umwelt eine große Sache: Kaum eine Branche wird so von Schnell-Lebigkeit beherrscht wie die Textilbranche. Umweltstandards, arbeits- und sozialrechtliche Standards sucht man in weiten Bereichen der Textilbranche vergebens. So trägt man durch das Tauschen noch guter Kleidungsstücke dazu bei, die Umwelt einen Hauch weniger zu schädigen und unserer Wegwerfgesellschaft eine Absage zu erteilen.

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Die Einnahmen aus dem Event fließen in Kursgebühren und Öffi-Tickets für Asylwerber, um deren Ausbildung wir uns kümmern. Vier dieser Menschen haben tatkräftig mitgeholfen dabei, diese Veranstaltung zum Erfolg zu machen: Sie haben mit uns aufgebaut, abgebaut, das Buffet betreut, Kleidung sortiert und aufgehängt und beim “Check in” von Besuchern und Kleidern mitgeholfen. Und es war auch eine gute Gelegenheit, die deutsche Sprache im Alltag zu verwenden. Wir sind stolz auf die vier Jungs: Alle haben hervorragend mitgearbeitet und konnten bei Besucherfragen in Deutsch Auskunft geben.

Am Abend waren wir alle müde aber auch stolz, das gemeinsam geschafft zu haben.

Danke allen BesucherInnen des Events, es hat uns sehr viel Spaß mit euch gemacht und war sicher nicht das letzte Mal!

What do asylum seekers do throughout the day? Possibly you imagine they are free to spend their days doing whatever they like. But think about it again and the reality of their situation becomes clearer.

Consider this: they have hardly any financial resources; travel is not affordable; entertainment is not affordable; they don’t know anyone and the country is a strange place. If they are lucky, they might have been donated a bicycle. If they have even more luck, they live in a shelter which provides internet access. And if they are incredibly fortunate, they have ended up somewhere where they are offered some kind of recreational program, including perhaps football games, free German courses, an occasional excursion or opportunities to meet other people.

Such activities are valued, but they do not fill each and every day. And above all, they do not distract from the feeling that you are condemned to spend each and every day, for weeks and months, waiting. Waiting for an interview; waiting for an asylum decision; or waiting for a place in one of the rare German courses. And so passes precious lifetime: many fall into depression and despair.

We have got to know many such people: full of hopes and plans for a secure future. No one wants to live in a social safety-net. Everyone wants to be able to stand on their own, make something of their lives, be proud of their achievements – and give something back to the country that has taken them in.

These are the people we want to help. Let them progress in their lives here, quickly learning the language, and attending courses that can give them professional recognition. Course attendance, homework, and learning, also provide a daily routine and structure, which relieves the feeling of being condemned to wait.

Most of the refugees we know have a clear idea of their future. They have the necessary skills, talent and will to make something of their lives. Our society can benefit too if we help them to learn the language and encourage their talents. This is exactly what our association intends to do and we hope that you will support our efforts.

When these people first arrived in our country we donated blankets, clothing and food. Now they need the chance of a future. Instead of spending money on food which we push into their hands at the train station while sending them on their way, the time has come to use this money to give them some kind of future.

Every euro you donate will be invested in tuition fees and travel, to give displaced people the chance of an (educated) future.

Was machen Asylwerber den ganzen Tag? Scheinbar haben sie die große Freiheit, ihre Tage mit dem zu füllen, was ihnen Spaß macht. Doch das ist sehr kurz gedacht: Über finanzielle Mittel verfügen sie kaum. Tickets, um von A nach B zu gelangen, sind nicht leistbar. Wenn sie Glück haben, besitzen sie ein gespendetes Fahrrad. Wenn sie noch mehr Glück haben,  leben sie in einer Unterkunft, in der ihnen Internet zur Verfügung gestellt wird. Und mit ganz unglaublich viel Glück sind sie irgendwo gelandet, wo es Menschen gibt, die ihnen so etwas wie ein Freizeitprogramm in geringem Umfang bieten: Fußballspielen, Gratis-Deutschkurse, ab und zu ein Ausflug oder ein gemeinschaftliches Treffen einmal im Monat. Das alles ist unglaublich wertvolle Hilfe, aber nicht tagesfüllend. Und vor allem hilft es nicht über das Gefühl hinweg, wochenlang, monatelang einfach zum Warten verdammt zu sein. Zum Warten auf einen Interviewtemin, auf einen Asylbescheid, danach auf einen Platz in einem der raren Deutschkurse. So vergeht kostbare Lebenszeit, viele verfallen in Depression und Verzweiflung.

Wir haben solche Menschen kennen gelernt: Voller Hoffnungen und Pläne für eine Zukunft in Sicherheit. Niemand will in der vielbeschriebenen sozialen Hängematte leben. Alle wollen auf eigenen Beinen stehen, etwas aus ihrem Leben machen, stolz auf sich sein können – und etwas zurückgeben an das Land, das sie aufgenommen hat. Diesen Menschen wollen wir helfen. Sie sollen schnell voran kommen, rasch Deutsch lernen, Kurse absolvieren können, die später auch anerkannt sind. Das gibt ihrem Tagesablauf eine Struktur: Kursbesuch, Hausaufgaben, Lernhilfe, und vertreibt das Gefühl, zum Warten verurteilt zu sein.

Die meisten Flüchtlinge, die wir kennen, haben eine genaue Vorstellung von ihrer Zukunft, haben Fähigkeiten mitgebracht, Begabungen und den Willen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Unsere Gesellschaft kann davon profitieren, wenn wir ihnen ermöglichen, sich rasch die Sprache ihres neuen Landes anzueignen und ihre Talente fördern. Genau das wollen wir mit unserem Verein machen und wir hoffen dabei auf eure Unterstützung.

Wir haben ihnen Decken, Kleidung und Essen gegeben, als sie in unser Land gekommen sind. Nun brauchen sie die Möglichkeit, voran zu kommen. Statt Geld für Essen auszugeben und ihnen auf den Bahnhöfen in die Hand zu drücken, ist nun die Zeit gekommen, ihnen mit ein bisschen Geld eine Perspektive zu ermöglichen. Jeder Euro, den du spendest, wird in Kursgebühren und Tickets investiert und gibt einem geflüchteten Menschen ein Stückchen (Bildungs)Zukunft.