Samer, der Fotokünstler

FotoSamerklWie heißt du und wie alt bist du?

Mein Name ist Samer, ich bin 26 Jahre alt.

Woher kommst du?

Ich komme aus Syrien. Idleb, meine Heimatstadt, ist vor einer Woche wieder mit mehreren Phosphorbomben bombardiert worden.

Warum bist du nach Österreich gekommen?

Ich bin aufgrund des Krieges in meiner Heimat nach Österreich gekommen. Es gibt Bomben und Terror. Mein Bruder war schon vor mir hier, zu ihm wollte ich. Im Internet habe ich außerdem gelesen, dass Wien schon öfter zur lebenswertesten Stadt gewählt wurde. Auch das war ein Grund hierher zu kommen.

Wo lebt deine Familie?

Meine Eltern, ein Bruder und eine Schwester leben noch in Syrien. Mein Vater ist Farmer und war vor seiner Pensionierung Lehrer für Geschichte. Zwei meiner Brüder leben in Katar, eine Schwester ist dort verheiratet. Ein Bruder hat in Österreich Asyl bekommen und lebt jetzt in Wien.

Was hast du in deiner Heimat gemacht?

Ich habe in Aleppo Marketing studiert, musste das Studium aber kurz vor dem Abschluss abbrechen. Aleppo ist auf Seiten des syrischen Präsidenten, meine Heimatstadt hat sich als erste Stadt gegen Assad gewandt. So ist es für mich sehr gefährlich geworden, weiter zur Universität zu gehen. Sie haben Studenten aus meiner Heimatstadt einfach verhaftet und ins Gefängnis gesperrt. Es gibt ein riesengroßes Spitzelnetzwerk an der Universität von Aleppo. Wer etwas gegen den Präsidenten sagt, wird ins Gefängnis geschickt und terrorisiert.

Außerdem war das Gelände der Universität Ziel eines Bombenangriffs, bei dem 91 Studenten getötet wurden.

Nach dem Abbruch des Studiums habe ich meinem Vater auf der Farm geholfen.

Welche Sprachen sprichst du?

Ich spreche Englisch und Arabisch.

Welche Hobbies hast du?

Ich fotografiere und habe für meine Bilder eine Facebook-Seite mit vielen Followern. Fotografie ist mehr als ein Hobby. Ich habe schon einen Job in Aussicht, sobald ich Asyl bekomme.

Außerdem mag ich sehr gerne Fahrradfahren und Volleyball. Volleyball habe ich erst hier in Österreich kennen gelernt, es macht mir sehr viel Spaß.

Welche Pläne hast du für deine Zukunft in Österreich?

Wenn ich Asyl habe, will ich sehr gut Deutsch lernen. Dann möchte ich arbeiten und mir so ein Studium für Solarenergie finanzieren. Es gibt eine Wende weg von der erdölabhängigen Energie zur umweltfreundlichen Energie. Ich glaube, in diesem Sektor wird es viele Jobs geben.

Was wünschst du dir von den österreichischen Menschen?

Ich wünsche mir, dass Flüchtlinge Hilfe bei den ersten Schritten bekommen, um hier rasch ein Leben aufzubauen. Nicht mehr. Ich bin nicht gekommen, um von Sozialhilfe zu leben. Ich möchte schnell arbeiten.

Möchtest du sonst noch etwas sagen?

Als ich herkam, dachte ich, alles sei sehr kompliziert und fremd. Aber als ich angekommen bin, traf ich dann Menschen, die mir sehr geholfen haben. Ihnen ist es egal, aus welcher Kultur ich komme oder welcher Religion ich angehöre. Einzig und allein Humanität zählt für sie.

Ich habe die besten Menschen getroffen, die ich je in meinem Leben treffen werde. Ich kann ihnen alles erzählen, alle meine Geheimnisse anvertrauen. Sie sind wie eine Familie für mich.

Was sie für uns getan haben, würde nicht einmal meine Verwandtschaft machen: Sie haben uns in ihr Haus aufgenommen, uns Essen gegeben und in allen Dingen geholfen. Die junge Generation in meiner Heimat würde das wahrscheinlich nicht mehr machen, die ältere Generation meines Vaters schon.

 

scholarship4you:
Samer wird Mitte September einen A2-Kurs besuchen.

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